„Mehr Agilität und höhere Attraktivität – das wird die digitale Verwaltung der Zukunft auszeichnen“ – Interview

 

Der Hauptgeschäftsführer des Bitkom e.V., Dr. Bernhard Rohleder, erläutert die Schnittmengen zwischen Verwaltung und IT-Industrie. Er beschreibt die Angebote der Smart Country Convention an ihre Besucherinnen und Besucher.

Bis die Verwaltung auf kommunaler, Landes- und Bundes- sowie europäischer Ebene „smart“ ist, wird noch einige Zeit vergehen. Einige EU-Mitglieder, zum Beispiel Estland, sind beim Prozess der digitalen Transformation weiter fortgeschritten als Deutschland. Der Bitkom als Branchenverband der digitalen Wirtschaft veranstaltet im jährlich im November die Smart Country Convention, auf der Vertreterinnen und Vertreter der IT-Industrie und Bedienstete der Verwaltung sich austauschen können. Partnerland 2018 ist Dänemark, das Erfahrungen mit einigen Vorreiterprojekten in Sachen E-Government und IT-Sicherheit vorweisen kann.

 

Als führender Branchenverband der Informationswirtschaft wendet sich Bitkom mit der Smart Country Convention an Angehörige des öffentlichen Dienstes. Welche Bezüge sehen Sie zwischen den Verwaltungsbediensteten und Bitkom allgemein sowie der Smart Country Convention im Besonderen?

Wir vertreten im Bitkom mehr als 2.600 Unternehmen. Viele von ihnen sind selbst digitale Vorreiter und haben umfassende Erfahrung mit Digitalisierungsprojekten. 15.000 Experten unserer Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich im Bitkom, viele von ihnen arbeiten mit Kunden des Public Sector zusammen. Dieses einzigartige Knowhow bündeln wir bislang nur intern im Bitkom, in spezialisierten Arbeitskreisen. Mit der Smart Country Convention machen wir es einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich.

 

Gemäß unserer Vision wollen wir als Europäische Akademie für Steuern, Wirtschaft & Recht mit unseren Seminaren und Konferenzen einen Beitrag zur Weiterentwicklung öffentlicher Organisationen beitragen. Welche Hemmschuhe sehen Sie aus der Perspektive Ihres Verbandes, des Bitkom, im Verwaltungsbereich für diese Weiterentwicklung?

Der politische Wille zu digitalisieren ist in den meisten Verwaltungen ja da. Meist mangelt es auch nicht an Geld. Man weiß oft schlicht nicht, wie und mit wem man ein solches Megaprojekt umsetzen soll. Es fehlt an Knowhow, an Spezialisten und manchmal fehlt es auch an Mut. Hier kann ich nur dazu aufrufen, sich von der Komplexität der Digitalisierung nicht abschrecken zu lassen. An Ihre Leser gerichtet: Suchen Sie sich Vorbilder, lernen Sie von ihnen und fangen dann mit ersten kleineren Projekten an, die schnell Erfolg zeigen und Spaß machen. Und: Lassen Sie sich helfen.

 

Welche Lösungen kann die Informationswirtschaft anbieten, um den Public Sector voranzubringen?

Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Von der Digitalisierung der Ein- und Ausgangspost über ein gutes Content Management System bis zu Plattformen für Open Data ist alles im Programm. Die IT-Branche kann aber noch mehr: Sie hilft bei der Formulierung einer Digitalstrategie, entwickelt Finanzpläne, setzt das Ganze dann um und macht die Evaluation. Es geht also bei Weitem nicht nur um Technologien.

 

Bei der digitalen Transformation im Verwaltungsbereich geht es ja nicht nur um technische Prozesse. Welche weiteren Aspekte des Change-Managements halten Sie für wichtig, die diesen Transformationprozess unterstützen können.

Völlig richtig. Mit modernen Geräten und einer neuen Software ist es nicht getan. Digitalisierung heißt immer auch Kulturwandel. Für Start-ups ist das kein Thema, sie sind „digitally born“, wie man so schön sagt. Speziell in der Verwaltung aber wird sich kulturell aber schon einiges ändern. Gerade junge Mitarbeiter, die mit digitalen Technologien groß geworden sind, erwarten das auch. Dieser Kulturwandel braucht professionelle Begleitung. Diese Begleitung durch professionelle Change Manager oder Seminarserien ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss und sollte von Beginn an mit eingeplant werden.

 

Welche Entwicklungstendenzen sehen Sie für die Zukunft der digitalen Verwaltung?

Digitalisierung ist in der Verwaltung kein Selbstzweck. Digitalisierung macht Verwaltung leistungsfähiger und bürgernäher, schneller und agiler und für die Mitarbeiter spannender. Verwaltungen werden damit nicht nur als Dienstleister für Verbraucher und Unternehmen besser, sie werden auch als Arbeitgeber attraktiver. Mehr Agilität und höhere Attraktivität – das wird die digitale Verwaltung der Zukunft auszeichnen.

 

Noch ein persönlicher Tipp: Welchen Programmpunkt der Smart Country Convention sollten die Leserinnen und Leser unseres Blogs auf keinen Fall verpassen?

Die Auftritte und Showcases unseres Partnerlands Dänemark sollte sich wirklich jeder ansehen. Die Dänen kommen mit ihrem Ministerpräsidenten, drei Ministerinnen und Ministern und über 30 Firmen. Dänemark hat schon vor zehn Jahren vieles von dem eingeführt, was jetzt in Deutschland ansteht. Davon kann jeder extrem viel lernen und das sollte niemand verpassen. 2019 bauen wir darauf auf, mit einem neuen Partnerland, das vielleicht ebenfalls aus Skandinavien kommt …

 

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